Corona:

Deutlicher Einbruch bei den neu abgeschlossen Ausbildungsverträgen

BWIHK und DEHOGA zeigen sich besorgt über krisenbedingten Rückgang der Ausbildungszahlen 

Stuttgart, 25. Januar 2021 – Besonders getroffen hat die weltweite Corona-Pandemie die Tourismusbranche. Dies spiegeln die Azubi-Zahlen schonungslos deutlich wider: In den gastgewerblichen Berufen beträgt der Rückgang bei den neu geschlossenen Ausbildungsverträgen mit 21 Prozent mehr als ein Fünftel. Hotels und Restaurants waren im vergangenen Frühjahr bereits für zweieinhalb Monate geschlossen. Nun heißt es in der kompletten Branche seit Anfang November erneut ‚nichts geht mehr‘. Für Clubs und Diskotheken gilt dies durchgehend seit März 2020. Das für die allermeisten Betriebe nicht annähernd auskömmliche Geschäft mit Abholangeboten sorgt dafür, dass die Betriebe unter stetig wachsendem Druck stehen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit sind. Dies führte schon im vergangenen Jahr zu Verunsicherung – nicht nur bei den Unternehmen und deren Fachkräften, sondern gerade auch bei potenziellen Bewerbern.

„Schon seit einigen Jahren waren die Ausbildungszahlen, vor allem im Gastgewerbe, gesunken. Sie hatten sich aber zuletzt wieder einigermaßen stabilisieren können. Doch was wir zum Start des Ausbildungsjahres mit den Corona-Auswirkungen erlebt haben, kommt einem Erdrutsch gleich.“, so Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) für den Bereich Tourismus federführenden Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald.

„Die Corona-Krise hat die große Ausbildungsbranche Gastgewerbe voll getroffen“, pflichtet Fritz Engelhardt bei, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA BW. Der Grund für den Rückgang – die faktische Schließung der Betriebe über einen weiten Teil des Jahres hinweg – habe die Branche unverschuldet erwischt und sei von den Unternehmen nicht beeinflussbar. Besonders deutlich, so Keppler und Engelhardt, wirke sich der Rückgang in den Städten aus. Hier gebe es sogar 23 Prozent weniger neue Auszubildende. Dagegen seien es in der Ferienregion Schwarzwald, die im Sommer noch mächtig boomte, nur 9 Prozent weniger. „Nach Überwindung der Corona-Krise gilt es, bei der Ausbildung wieder durchzustarten, denn gut ausgebildete Fachkräfte werden wir im Gastgewerbe in den kommenden Jahren notwendiger brauchen denn je“, erklärt der DEHOGA Verbandsvorsitzende entschlossen. So prognostizieren Tourismusexperten gute Chancen für den Tourismus im eigenen Land.

Perspektivisch und auch in Zahlen trifft es die Reisebranche sowie die Veranstaltungswirtschaft noch härter. Diese haben seit gut einem Jahr keine Arbeit und kein verkaufbares Produkt mehr – faktisch sind die Betriebe damit seit Frühjahr 2020 geschlossen. Erschwerend greifen die als ‚Rettungsschirm‘ von der Politik ins Leben gerufene Hilfen nur langsam oder gar nicht. So gibt es bereits sichtbare Spuren in Form von Insolvenzen bei namhaften Reiseveranstaltern, Reisebüros, Messetechnikern und Eventveranstaltern zu beklagen. Entsprechend deutlich zeigt sich der Rückgang bei den Ausbildungszahlen: In der Veranstaltungswirtschaft haben 20 Prozent weniger Auszubildende einen Vertrag unterschrieben. Bei den Tourismuskaufleuten sind es mit einem überdeutlichen Minus von 63 Prozent fast zwei Drittel weniger. Noch sichtbarer schlägt sich das Ergebnis nieder, wenn man die absoluten Zahlen im Vergleich betrachtet: Starteten in 2019 noch 238 junge Leute ihre Ausbildung im Reisebüro, waren es im vergangenen Jahr 2020 gerade einmal noch 88.

„Die gesamte Branche wünscht sich nichts sehnlicher als eine Perspektive – gerade auch für ihre Mitarbeitenden und Azubis. Kommt diese nicht bald, greift ansonsten ein Mechanismus, der die vorhandene Fachkräfteproblematik in diesen Wirtschaftsbereichen noch weiter verschärft: Die Beschäftigten werden aus anderen Branchen, zumeist aus der Industrie und Sektoren, welchen die Pandemie einen Schub gibt, abgeworben. Sie sind dann für Hotellerie, die Reisebranche sowie die Event- und Veranstaltungswirtschaft langfristig verloren, werden kaum mehr in den erlernten Beruf zurückkehren. Deshalb müssen diese Wirtschaftsbereiche, die in der Vergangenheit verlässliche Standbeine für die Konjunktur in Baden-Württemberg waren, dringend eine Geschäftsperspektive erhalten. Unternehmer müssen ihren Mitarbeitern zeitnah zumindest einen Fahrplan trotz Corona nennen können“, mahnt Tourismusexperte Keppler eindringlich.

Galt der Tourismus im Land jahrzehntelang als stabiler Sektor mit stetigem Wachstum, so fordert die Corona-Pandemie ein nicht vorhersehbares Sonderopfer von der Branche ein. Dies zeigt sich deutlich. Vielfach waren die letztjährigen Berufsstarter noch vor der ersten Corona-Welle im März 2020 angeworben worden. Zahlreiche Ausbildungsverträge waren also bereits geschlossen, als das Virus bei uns ankam.

Aktuell sorgt die Lage situationsbedingt auf Bewerber- und vor allem auf Betriebsseite aber für eine Verknappung des Angebotes. So rechnet die IHK-Organisation für 2021 in schlechtesten Fall – also länger andauernde pandemische Geschäftseinschränkungen – mit noch weniger Berufsanfängern. Indikator dafür ist der Rückgang bei den Hotelkaufleuten und -fachleuten. Er zeigt klar auf, dass die Betriebe jetzt erst einmal auf Sicht fahren und Ausbildungsangebote zurückstellen müssen. So konnte nur fast ein Drittel (über 30 Prozent) weniger Ausbildungsverträge im ganzen Jahr 2020 geschlossen werden als noch 2019.

„Ohne verlässliche Perspektiven kann es nicht ausreichend Ausbildungsangebote und Bewerber geben, das zeigen uns die Zahlen deutlich auf. Wenn nicht bald ein tragfähiges Gesamtkonzept entwickelt wird, sehen wir weitere, notgedrungene Abwanderungsbewegungen in andere Berufe aus Branchen, die ihr Ausbildungsangebot stabil halten können, weil sie uneingeschränkt wirtschaften und auskommenden Umsatz machen dürfen. Dabei ist Ausbildung und Arbeit im Tourismus so spannend und abwechslungsreich wie in kaum einer anderen Branche. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter üben ihren Beruf mit Leidenschaft und Erfüllung aus, das hören wir immer wieder im Kontakt mit Betrieben, Beschäftigen und Azubis. Dieses Pfund müssen wir sichern und zukunftsfest machen“, betonen Keppler und Engelhardt mit einer Stimme.  

 

Der Blick in die Branchen nach Zahlen über alle Ausbildungsjahre:

In der gesamten Tourismusbranche (Gastgewerbe und Reiseverkehr) sind in diesem Jahr insgesamt 6.190 junge Menschen in der Ausbildung. Das ist ein Minus von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Davon werden in Hotellerie, Gastronomie und Catering aktuell – trotz der Rückgänge bei den Berufsstartern – noch 5.455 junge Menschen in den Betrieben im Lande ausgebildet. Das sind rund 2.000 Köche, 2.100 Hotelfachleute und rund 600 Restaurantfachleute.

In der Reisebranche kommen 735 Auszubildende hinzu.

In der Veranstaltungs-, Kongress- und Messebranche werden ebenfalls knapp 700 junge Menschen ausgebildet. Hier zeigt sich ein immer stärkerer touristischer Bezug.

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