Ein Gastronomen-Paar in Oberschwaben wirbt am GastroMobil erfolgreich um Nachwuchs

Praktikum soll ein Aha-Erlebnis sein

Tobias Kretzschmar und Silvia Dölker. Foto: privat

Praktikanten als billige Aushilfen und Kartoffelschäler…? Wer Nachwuchs für seinen Betrieb sucht, muss sich schon etwas mehr reinhängen, finden Silvia Dölker und Tobias Kretzschmar. Die Betreiber zweier Landhotels bei Bad Saulgau, dem „Hasen“ in Renhardsweiler und dem „Engel“ in Herbertingen, wollen interessierten Schülerinnen und Schülern ein  möglichst attraktives Aha- Erlebnis bieten.

Und das beginnt meist schon in den Schulen selbst. Das Hotelier-Paar hält intensive Kontakte zu den Schulen im Umkreis und zu den Lehrern, die sie ihrerseits als verlässlichen Praktikums-Partner zu schätzen wissen. So stehen sie etwa beim „Mittwochs-Praktikum“ mehrerer Schulen fest auf dem Angebotsplan. Und sie bieten „Knigge-Abende“ an: Schüler lernen bei einem Vier-Gänge-Galamenü, worauf es ankommt. Auch da erscheine Gastronomie plötzlich bei vielen in einem viel wertigeren Licht. Sie wissen, was sie tun: Silvia Dölker ist seit 2018 Ausbildungsmentorin im DEHOGA und Tobias Kretschmar ist als IHK-Prüfer bei den Köchen engagiert.

Wenn die Schüler dann im Betrieb sind, dürfen sie möglichst viel selbst machen. Sie polieren auch mal Besteck oder sind beim Room Service dabei. Aber sie gießen auch beim Frühstück den Kaffee ein, bereiten selbstständig ein Rührei zu oder dürfen an der Rezeption Gäste verabschieden – natürlich immer in Begleitung, wie Silvia Dölker betont. Die Praktikanten dürfen im Service mitmachen und sehen auch mal, wie eine Veranstaltung organisiert wird. In der Küche dürfen sie das Salatbuffet vorbereiten, Gemüse schneiden oder Spätzle in soundso viele Schüsseln füllen. „Wir vertrauen ihnen ein kleines Stück Verantwortung an“, sagt Silvia Dölker, „aber wir verheimlichen auch nichts, was so alles an Arbeiten in der Gastronomie dazugehört.“

GastroMobil hilft bei der Nachwuchsgewinnung

Das GastroMobil des DEHOGA bietet den beiden Gastronomen dabei die beste Plattform. „Wann immer das GastroMobil in der Nähe ist, bin ich dabei“, sagt Silvia Dölker. Wenn der multimedial ausgebaute Linienbus – Herzstück der DEHOGA- Nachwuchskampagne WIR GASTFREUNDE – auf einen Schulhof fährt, sei er die Attraktion schlechthin.

Die älteren Schüler seien sehr interessiert und die jüngeren schon gespannt darauf, wann sie die nächsten Jahre reindürfen: „Darum finde ich es ja auch so gut, dass das Projekt WIR GASTFREUNDE nun neu aufgelegt worden ist. Die Nachwuchs-Werbung ist ein dickes Brett und zieht sich über mehrere Schüler-Jahrgänge hinweg.“

Auch bei Ausbildungsmessen ziehe das GastroMobil viel mehr „als ein Stand mit ein paar Kochlöffeln und Serviettenfalten“, sagt Tobias Kretzschmar. Regional stünde man hier im Wettbewerb mit den großen Playern besonders im Maschinenbau, die mit attraktiven Berufsfeldern und interaktiven Medien am Stand locken. Wenn man dann das  GastroMobil mit der virtuellen Hotelrezeption bieten könne, würde die ganze Branche schon viel wertiger präsentiert. Wichtig sei, dass dies bis zu den Eltern durchdringe. Hier gelte es oft, Vorurteile abzubauen. „Letztendlich sind es ja die Eltern, die ihr Kind in der Berufswahl bestärken oder abraten“, sagt Tobias Kretzschmar. Erster Lohn der Mühen: Eine ehemalige Praktikantin hat gerade ihren Abschluss als Hotelfachfrau gemacht und fängt jetzt zum 1. September im „ Engel“ an.
Text: Thomas Kapitel