Kommentar:

Eine Regel, die keiner will

Keiner von uns will die 2G-Regel. Der Ausschluss der Ungeimpften aus Gastronomie und Hotellerie, den die neue Corona-Verordnung in der „Alarmstufe“ vorsieht, bedeutet bei der aktuellen Impfquote eine Reduzierung unseres Gästepotenzials um deutlich mehr als 20 Prozent. In der Realität ist der Schaden noch größer, weil Gruppen, in denen sich Ungeimpfte befinden, durch die 2G-Regel von Restaurantbesuchen, Feiern und Veranstaltungen abgehalten werden. Auch das Geschäft mit Businessgästen wird massiv leiden, wenn Ungeimpfte in der „Alarmstufe“ nicht mehr an Tagungen teilnehmen dürfen. Zudem stellt die Abfrage des Impfstatus bei Buchungen ein enormes Problem für uns dar.

Die neuen Regeln machen das Gastgewerbe mehr denn je zum Prellbock der gesellschaftlichen Impfdebatte und treffen uns wirtschaftlich härter als andere Branchen. Dieses Sonderopfer, das der Staat uns erneut zumutet, haben wir gegenüber der Landesregierung deutlich kritisiert.

Dem wichtigsten Argument der Regierung – der drohenden Überlastung der Krankenhaus-Intensivstationen durch (ganz überwiegend ungeimpfte) Covid-19-Patienten – können wir uns aber als verantwortlich handelnde Branche nicht verschließen. Wir sind kein Verband, der wirtschaftliche Interessen höher bewertet als das Leben von Menschen, die in überfüllten Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden können.

Trotzdem verteidigen wir – durchaus erfolgreich – die Interessen unserer Branche: Die neue Corona-Verordnung trägt daher vielen unserer Forderungen Rechnung:

  • Unsere Betriebe bleiben unabhängig von der Inzidenz-Entwicklung geöffnet. Es droht nach übereinstimmenden Aussagen führender Politiker kein Lockdown mehr.
  • Auch der chaotische „Flickenteppich“ mit unterschiedlichen Landkreis-Regelungen gehört in Baden-Württemberg der Vergangenheit an. Die neuen Regeln gelten, wie von uns gefordert, landeseinheitlich.
  • Und, ganz wichtig: Wir sind im Geschäft mit Geimpften und Genesenen weiterhin von umsatzschädlichen Auflagen befreit, denn in diesem Bereich gibt es keine negativen Änderungen: keine Kontaktbeschränkungen, keine Tischabstands-Regelungen, keine Personenzahl-Obergrenzen bei Veranstaltungen… Im Rahmen der allgemeinen Hygienekonzepte können wir mit diesem Gästekreis also normal arbeiten.


Neu ist auch, dass die neue Corona-Verordnung ungeimpfte Mitarbeiter im Gastgewerbe verpflichtet, die Test-Angebote, die ihnen ihr Arbeitgeber auch bisher schon machen musste, künftig anzunehmen. Das sorgt – in Verantwortung der Mitarbeiter – für noch besseren Gesundheitsschutz in unseren Betrieben und erspart vielen von uns kritische Diskussionen mit Gästen.

All das ändert freilich nichts an unseren Problemen mit der drohenden 2G-Regel, aber auch hier hat die Landesregierung zumindest in Teilen auf unsere Einwände reagiert: Die 2G kommen, wie von uns gefordert, nicht sofort, sondern – wenn überhaupt – erst als letzte von insgesamt drei Stufen, wenn kritische Schwellenwerte bei der Intensivbetten-Belegung oder bei der Hospitalisierungsrate erreicht werden. Die Zeit, die wir so gewinnen, muss jetzt fürs Impfen genutzt werden! Denn je höher die Impf- und Genesenenquote, um so geringer der Schaden durch „2G“.

Wo das Land dringend nachbessern muss
Kritik müssen wir trotzdem üben und auf schnelle Nachbesserung drängen: Was die Landesregierung in der Stufe 2 (Warnstufe) vorsieht, ist nicht durchdacht und wird in der Praxis nicht funktionieren: Im Hotel und in den Gastro-Außenbereichen brauchen ungeimpfte Gäste in dieser Stufe einen negativen Antigen-Schnelltest – in den Gastronomie-Innenbereichen wird aber ein negativer PCR-Test verlangt. Schon jetzt ist klar, dass diese seltsame Regelung in Praxis zu vielen Fragen, zu unerfreulichen Diskussionen und massiven Problemen führen wird, worunter dann die Akzeptanz des ganzen Regelwerks leidet. Wir drängen deshalb massiv auf Nachbesserung: In Stufe 2 (Warnstufe) sollte auch in den Gastro-Innenbereichen ein negativer Antigen-Schnelltest genügen. Denn die Erfahrung lehrt: Nur Regeln, die in der Praxis umsetzbar sind, helfen bei der Eindämmung der Corona-Pandemie.

Fritz Engelhardt
Vorsitzender DEHOGA Baden-Württemberg