Petra Ott-Fischer, Neckarmüller

Beim Neckarmüller war am Donnerstag vor Ostern trotz Bilderbuchwetter wenig los. Selbst um die Mittagszeit waren die meisten der 60 Biertisch-Garnituren in bester Lage unbesetzt. Das liegt an der neuesten Regelung, die keine Gäste von außerhalb mehr in Gastronomie und Geschäften zulässt. Im Biergarten fehlen dadurch 80-90 Prozent der Gäste. Die Imbisse hingegen freuen sich über das Geschäft, denn viele Leute sind von weither angereist, in der Hoffnung, irgendwie trotz der Neuregelung an ein begehrtes Tagesticket zu kommen.

"Bis gestern standen die Gäste hier in endloser Schlange an, seit heute ist es schlagartig leer", sagt Cordula Coerschulte, die eigentlich im Büro arbeitet, aber während des Modellprojekts nun vorm Restaurant steht und die Einlasskontrolle managt. Seit der Eröffnung am 24. März – dem ersten Tag mit gutem Wetter – ist ein kleines Team von acht Mitarbeiter:innen im Dauereinsatz.

Neckarmüller-Chefin Petra Ott-Fischer hatte sich vorab eingehend Gedanken gemacht, wie sie ihr Geschäft im Rahmen des Modellprojekts betreiben will: Vom Zeitpunkt der Eröffnung über die Bestuhlung, den Einsatz der Mitarbeiter und das Speisenangebot überließ sie nichts dem Zufall.

"Wir arbeiten aktuell mit Selbstabholung und bieten nur eine kleine Speisenauswahl an, kein A-La-Carte-Geschäft. Mein Team ist auf alles eingestellt, jeder zieht mit. Die Gäste nehmen das Angebot dankbar an."

Petra Ott-Fischer (links) und Mitarbeiterin Cordula Coerschulte (rechst) sind seit Tagen im Dauereinsatz. Foto: Zeiger


Vom ersten Tag an lief es sehr gut. Selbst bei acht Grad und Wind saßen die Leute draußen, so sehr hatte ihnen das Gastronomie-Angebot gefehlt. Dass nach wiederholten Verstößen gegen die Auflagen ein Alkoholverbot eingeführt wurde, kann die Unternehmerin durchaus nachvollziehen. Auch sie schließt ihren Biergarten um 20 Uhr, um Probleme zu vermeiden.

"Das Modell funktioniert, ist aber eine Kraftanstrengung. Die Abläufe mit Kontrollen, Desinfektion etc. sind das eine, aber die Diskussionen mit den Gästen, die sich nicht an die Regeln halten wollen, ist das andere. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Die Regeln sind klar, man muss sich nur daran halten."

(Hinweis: Das Gespräch fand am 1. April 2021 statt.)