Ben Kerstan, Forelle

Ben Kerstan hatte nicht damit gerechnet, dass Tübingen so überrollt würde. Er hat zu Beginn des Modellprojekts noch nicht mal geglaubt, dass er mit dem Außenbereich alleine wirtschaftlich würde arbeiten können.
"Wir haben am ersten Tag mit drei Leuten angefangen und mussten gleich am zweiten auf acht aufstocken. Die Gäste haben uns überrannt."
Die 40 Plätze vor der "Forelle" sind seit einer Woche von mittags bis abends besetzt. Die Stadt war sehr kulant und hat ihm eine Verdopplung seiner Außenfläche bewilligt – ohne Extrakosten und ohne zeitliche Beschränkung. Die Nachbarn sind zum Glück ebenfalls sehr kooperativ und freuen sich, dass die benachbarten Geschäfte und Restaurant wieder öffnen dürfen.

Seine Speisekarte hat Kerstan für das Modellprojekt angepasst und leicht verkleinert. Aber er stellt zufrieden fest, dass die Leute gerne Geld ausgeben.
"So viel Dankbarkeit seitens der Gäste haben wir noch nie erlebt. Die Leute sind wie in Urlaubsstimmung, sie gönnen sich einen Aperitif, ein zweites Gals Wein, ein Dessert. Da wird nicht gespart. Wir würden gerne bis zum Ende der Krise so weitermachen, es wäre ein Traum."

Dass das Tübinger Modell auch auf andere Städte übertragbar wäre, bezweifelt Kerstan, denn er findet, die Stadt sei wie eine kleine Insel.
"Wir sind eine Kleinstadt mit nur wenigen Einflüssen von außen. Die allgemeine Akzeptanz der Bevölkerung ist bei uns sehr hoch, was sicherlich auch am hohen Anteil von Akademiker:innen liegt, die hier leben. Sie verstehen die Vorgaben und setzen diese auch ziemlich konsequent um."
Sich und sein Personal testet er dreimal pro Woche. Für das Testen der Gäste hingegen fühlt er sich nicht zuständig.
"Als Gastronom sollte man keine Tagestickets ausgeben dürfen. Die Kontrolle ist bei dem Thema sehr wichtig, deshalb sollte das nur an Teststationen gemacht werden. Was passiert, wenn die Tickets in die falschen Hände geraten, konnten wir alle erleben. Das gefährdet das ganze Projekt."

(Hinweis: Das Gespräch fand am 1. April 2021 statt.)