"Tübinger Modell" wird nachjustiert

Tübinger Außengastronomie muss wieder schließen

Stand: 07.04.2021

Das „Tübinger Modell“ ist für die beteiligten Gastronomiebetriebe beendet: Wie Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) mitteilte, muss die Außengastronomie in der Stadt wieder schließen. Handel und Kultureinrichtungen bleiben weiter geöffnet.

Der bundesweit beachtete Modellversuch „Öffnen mit Sicherheit“, der auf eine breit angelegte Teststrategie mit insgesamt neun Testzentren und „Tagestickets“ negativ getesteter Personen setzt, wird nun angesichts deutlich gestiegener Inzidenzzahlen in modifizierter Form fortgesetzt. Die Außengastronomie muss zu bleiben, lediglich Abhol- und Lieferdienste bleiben erlaubt.

Der Grund für Gastro-Schließung: offenbar zu viel Erfolg. Laut Lisa Federle, Pandemiebeauftragte der Stadt, hätten zahlreiche Besucher die Außengastronomie als „absolute Attraktion“ empfunden, was zeitweilig zu einem Ansturm auswärtiger Besucher führte. Allerdings gibt es auch in Tübingen keine Hinweise, dass die Gastronomie ein Infektionstreiber war – sie war vielmehr ein Frequenzbringer, und zu viel Besucherfrequenz in der Tübinger Innenstadt wollen die Verantwortlichen nicht zulassen.


Die Stadtverwaltung hatte das vor rund drei Wochen gestartete Projekt bereits mehrere Male nachjustiert: Zunächst, indem sie nur noch 3.000 Tickets pro Tag an Auswärtige ausstellte. Seit Gründonnerstag bekamen Touristen gar keine Tagestickets mehr, sondern nur Menschen, die im Kreis Tübingen wohnen oder nachweislich in der Stadt Tübingen arbeiten. Zudem wurden die Papiertickets durch QR-Codes ersetzt, die nicht weitergegeben werden können. Obendrein schränkte Palmer den Alkoholverkauf ein und verschärfte die Maskenpflicht.

Nun, nach der Schließung der Außengastronomie, erklärt OB Boris Palmer: "Es tut mir sehr leid für unsere Gastronomen." Die Enttäuschung in vielen betroffenen Betriebe ist jetzt groß – vom "Bauernopfer Gastronomie" ist in Statements die Rede. Dabei hatte sich das "Tübinger Modell" hoffnungsvoll begonnen.

Der DEHOGA hat am Gründonnerstag, 1. April, mehrere (damals noch geöffnete) Mitgliedsbetriebe in Tübingen besucht und die Gastgeber:innen nach ihrer Meinung zum Modellversuch befragt. Dabei gab es Lob, aber auch kritische Anmerkungen, die wir hier veröffentlichen.

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Martina Neff
Ben Kerstan
Gunter Alleborn
Petra Ott-Fischer
Alexander Stagl

"Mit Sicherheit öffnen" - Fakten zum Tübinger Modell

Projektstart: 16. März 2021
Geplantes Ende des Modellprojektes: 18. April 2021

Ziel: Breite Testung der Tübinger Bevölkerung durch Öffnung von Außengastronomie, Einzelhandel und Kulturbetrieben in der Tübinger Innenstadt. Zugang zu diesen Angeboten erhalten nur tagesaktuell Getestete (mit Nachweis „Tübinger Tagesticket“). Kostenfreie Tests sowie Ausgabe der Tickets erfolgen an neun Teststationen sowie in zahlreichen Betrieben, deren Mitarbeiter:innen speziell geschult wurden.

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