Kommentar

„450-Euro“-Jobs? Minijobs müssen mitwachsen!

Fritz Engelhardt
Fritz Engelhardt

Seit 2013 hat die Politik die Verdienstgrenze für Minijobber bei 450 Euro pro Monat eingefroren. Warum eigentlich? Vernünftige Gründe dafür gibt’s keine – nur ideologische Blockaden. Höchste Zeit also, dass sich was ändert!

Wenn Löhne und Preise rundherum steigen, bedeutet die starre Minijob-Grenze nämlich eine schleichende Entwertung dieser Beschäftigungsform. Das ist schlecht für Arbeitgeber und für Arbeitnehmer.

Immer wenn der Stundenlohn steigt – zum Beispiel durch die Erhöhung des Mindestlohns ab 2019 auf 9,19 Euro pro Stunde – muss die Arbeitszeit verkürzt werden, damit der starre 450-Euro-Rahmen wieder passt. Das ist Gift für eine Branche, die unter Mitarbeitermangel leidet und auf Flexibilität angewiesen ist.

Auch für Arbeitnehmer ist die starre 450-Euro-Grenze alles andere als ein Vorteil. Viele bräuchten angesichts hoher Mieten und steigender Preise dringend mehr Netto in der Tasche und wären gerne bereit, dafür auch zu arbeiten. Aber die Politik – allen voran das SPD-geführte Arbeitsministerium – sagt „Stop“. Bei 450 Euro im Monat ist Schluss.

Dabei sind die Argumente, die gegen eine Anhebung der 450-Euro-Grenze ins Feld geführt werden, allesamt widerlegt: Führen Minijobs etwa dazu, dass reguläre Arbeitsplätze wegfallen? Die Zahlen sprechen dagegen: Im deutschen Gastgewerbe, wo fast eine Million Minijobber arbeiten, sind in den letzten zehn Jahren über 300 000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden – ein Plus von 40 Prozent.

Wollen sich Arbeitergeber durch den Einsatz von Minijobbern vor Kosten drücken? Auch dieses Argument ist falsch: Minijobs sind für uns Arbeitgeber richtig teuer, denn statt der üblichen 20 Prozent Sozialabgaben fallen hier rund 30 Prozent an, die wir an die Bundesknappschaft überweisen.Wir sparen also nichts, wenn wir uns Flexibilität durch Minijobber einkaufen.

Bei ehrlicher Betrachtung gibt es keinen Grund, Minijobs schlechter zu stellen als andere Beschäftigungsformen. Deshalb fordern wir im DEHOGA: Hebt die Geringverdiener-Grenze an – Minijob-Löhne müssen mit der allgemeinen Lohnentwicklung mitwachsen, auch im Interesse der Beschäftigten! Politiker, die eine satte Erhöhung der Steuerfreigrenze für Vereine durchwinken, weil da „nach so vielen Jahren etwas getan werden muss“, sollten auch den Mut haben, die Minijob-Lohnblockade zu lösen. Gefordert ist die Bundesregierung – und hier vor allem die Union. Sie hat mit der Erhaltung der 70-Tage-Regelung ganz aktuell gezeigt, dass sie wirtschaftspolitisch eben doch einen höheren Anspruch hat als nur SPD-Politik abzunicken. Ein guter Anfang — weiter so!

Fritz Engelhardt,
Vorsitzender des DEHOGA Baden-Württemberg