Fachgruppensitzung Berufsbildung

Aktuelle Ausbildungsthemen engagiert diskutiert

Die Sitzung der Fachgruppe Berufsbildung fand erstmals in der Landesberufsschule in Villingen statt. Neben dem Austausch unter den Fachgruppen-Mitgliedern, bot sich dort auch der passende Rahmen, mit den Bildungspartnern von den Landesberufsschulen direkt ins Gespräch zu kommen.

Der Fachgruppenvorsitzende Martin Bosch berichtete zunächst über die erfolgreiche politische Verbandsarbeit: Die Neuregelung des Internatskostenzuschusses und den Tarifabschluss im Gastgewerbe (wir berichteten). Die ausgehandelten Lohnanpassungen für Auszubildende entsprechen exakt den Vorschlägen der Fachgruppe Berufsbildung, die sie in der Sitzung im vergangenen Jahr in Ehingen diskutiert hat.

„Die höheren Löhne  sind für die Auszubildenden ein positives Signal“, so Martin Bosch. Es komme jedoch nicht nur auf die Bezahlung an – Wertschätzung sei die eigentliche Währung für eine gute Ausbildung. Wie dies gelingen kann, darüber wurde in der Fachgruppensitzung diskutiert und verschiedene Möglichkeiten  aufgezeigt.

„In unseren Kreisstellen wird schon sehr viel getan“, sagte Martin Bosch. Ob am GastroMobil oder auf Lossprechungsfeiern. Für diese feierliche Verabschiedung der Azubis in ihr Berufsleben hat der Förderverein des DEHOGA nun die Zuschüsse verdoppelt.

"Influencer" für WIR GASTFREUNDE gewonnen

Die vom Land geförderte Nachwuchskampagne WIR GASTFREUNDE läuft im zweiten Jahr erfolgreich, wie Martin Bosch berichtete. Neben der Imagewerbung, die sich an Jugendliche richtet, ist ein wichtiger Bestandteil der Kampagne die Unterstützung für Ausbilder, etwa mit kostenlosen Seminaren an der DEHOGA Akademie, alle Infos finden Sie hier Am GastroMobil, dem Herzstück der Kampagne,  werden immer mehr Praktikanten und Auszubildende für die Branche gewonnen (einen ausführlichen Artikel mit Erfolgsbeispielen lesen Sie demnächst im DEHOGA Magazin).

Im Rahmen der Nachwuchskampagne, die bis April 2019 läuft, sollen noch diese Projekte verwirklicht werden:  E-Learning für Azubis, die Neuauflage des Wegweisers für Ausbilder, eine Lehrermappe und die Stärkung von Social-Media-Kooperationen.

Zwei „Influencer“ (junge Menschen, die durch ihr starkes Auftreten in den Sozialen Medien viele Fans für eine bestimmte Sache begeistern können) wurden schon für WIR GASTFREUNDE gewonnen: Noemi Kuzler, die auf der INTERGASTRA zur „Gastfreundin  des Jahres“ gewählt wurde. Und Maximilian Koppermann, der als „Mexxonomy“ in den Sozialen Netzwerken seine Leidenschaft für die Gastronomie zeigt. Der 22-jährige Hotelfachmann mit Zusatzqualifikation, der als Barkeeper in einer Szenebar in Stuttgart arbeitet, unterstützt den Verband bei der Nachwuchskampagne. In der Fachgruppensitzung stellte er sich und seine Projekte vor. Unter anderem habe er innerhalb von zwei Wochen rund 700 Azubis im Gastgewerbe in einer Facebook-Gruppe zusammengebracht. „Jungen Menschen fällt es leichter, zu jungen Menschen zu sprechen“, sagte Maximilian Koppermann.

In der Fachgruppensitzung mal nicht nur „aus Chefsicht“ diskutieren, sondern auch junge Leute selbst zu Wort kommen zu lassen, finde er spannend, sagte Martin Bosch. „Schließlich geht es hier um den Branchennachwuchs und wir waren ja auch alle selbst mal Azubis.“

Daran erinnerten sich auch einige Sitzungsteilnehmer bei der Führung durch das Internat und beim Essen in der Schülermensa, wo manche Ausbilder ihre Azubis in der Mittagspause trafen. Für den Service beim Frühstücks- und Sektempfang sorgten ebenfalls Azubis.

Digitales Berichtsheft bringt viele Vorteile

Schulleiter Robert Fechteler stellte Herausforderungen einer Landesberufsschule dar. In Villingen werden Schüler aus 76 Nationen unterrichtet. Alle müssen einen Deutschtest machen, wer diesen nicht besteht, bekommt Sprachunterricht als Pflichtfach, so Fechteler. „Das ist nicht nur bei Flüchtlingen der Fall.“

Dies bestätigte auch Frank Körner vom Kultusministerium, Ein Lösungsansatz für die Verbesserung von Sprachkenntnissen bei den Auszubildenden, der derzeit erarbeitet werde: eine einfache Sprache in allen Fächern anwenden, sodass extra Kurse für ausländische Schüler vielleicht gar nicht mehr nötig seien. Sprachbarrieren sind derzeit noch die größte Hürde bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, das bemängelten auch einige der anwesenden Ausbilder. Eine schnelle Lösung gebe es noch nicht, so Martin Bosch.

Frank Körner sprach zudem über die regionale Schulentwicklung an den Beruflichen Schulen. Die stetig sinkenden Schülerzahlen führen dazu, dass immer mehr Kleinklassen (weniger als 16 Schüler) aufgelöst werden. Der Hoga-Bereich sei davon nicht so stark betroffen. Hier zahle sich die Stärke der vier Landesberufsschulen aus.

Ein weiteres Thema der Sitzung: Das digitale Berichtsheft, mit dem im IHK-Bezirk Bodensee-Oberschwaben sehr gute Erfahrungen gemacht wurden, wie Frank Boscher vortrug. Die Vorteile: In dem Online-Formular gibt es auch eine Spalte, in der der Azubi seine Selbsteinschätzung einträgt und er soll seine Tätigkeiten nicht einfach nur aufschreiben, sondern auch den Inhalten im Ausbildungsrahmenplan zuordnen. „Das fördert den Austausch zwischen Ausbilder und Azubis und verbessert die Qualität der Ausbildung mit einfachen Mitteln“, sagte Frank Boscher.

Das Programm „Blok – das Online-Berichtsheft“ stellt die IHK Bodensee-Oberschwaben den Ausbildungsbetrieben in dieser Region kostenlos zur Verfügung. Für eine Grundgebühr plus 10 Euro pro Azubi im Jahr kann  aber jeder „Blok“ nutzen.