Kommentar

Ein vernünftiger Vorschlag für mehr Flexibilität

Fritz Engelhardt, Vorsitzender des DEHOGA Baden-Württemberg
Fritz Engelhardt

Nicht nur im Gastgewerbe, sondern auch in anderen Branchen wird Arbeitszeit-Flexibilität immer wichtiger: Betriebe müssen auf schwankende Nachfrage reagieren. Gastronomen brauchen ihre Mitarbeiter, wenn viele Gäste im Betrieb sind. Handwerker möchten bei günstiger Witterung auch mal länger arbeiten, um Aufträge pünklich zu erledigen. Und in der Digitalwirtschaft lachen Arbeitgeber und Beschäftigte über die Stechuhr-Mentalität längst vergangener Zeiten.Auch immer mehr Arbeitnehmer erkennen, dass Flexibilität für sie keinen Nachteil bedeutet. Im Gegenteil: Was soll schlecht daran sein, wenn eine Mutter ihren Teilzeit-Job an wenigen Tagen mit vielen Stunden erledigen will, um anschließend mehr Tage frei zu haben? Mit gutem Grund haben die Partner der Landesregierung das Thema Arbeitszeit-Souveränität als wichtiges Ziel in ihrem Koalitionsvertrag verankert.

Das Eckpunkte-Papier zur Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, das die baden-württembergische Wirtschaftsministerin jetzt vorgelegt hat, zeigt vernünftige, maßvolle Lösungswege auf. Es findet nicht nicht nur unseren Beifall, sondern wird auch von der branchenübergreifenden Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände unterstützt.

Am Zug ist nun die Landesregierung: Sie sollte den Vorschlag ihres Wirtschaftsministeriums als Gesetzesinitiative in den Bundesrat einbringen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist dabei als Vermittler gefragt: Zwar hat er unserem Verband bereits mehrfach ganz klar seine Unterstützung beim Thema Arbeitszeit-Flexibilisierung zugesagt. Es gilt nun aber auch, die Skeptiker in den eigenen Reihen einzubinden und zu überzeugen. An guten Argumenten mangelt es sicher nicht: Es geht schließlich weder um längere Arbeitszeiten noch um eine Verkürzung der Ruhezeiten noch um sonstige Zumutungen für die Beschäftigten. Es geht ausschließlich um etwas mehr Flexibilität und um die Einsicht, dass die Arbeitswelt heute anders tickt als vor 30 Jahren. Darüber sollten sich auch andere Länderregierungen Gedanken machen. Der baden-württembergische Vorschlag für mehr Flexibilität ist eine Chance für ganz Deutschland.

Fritz Engelhardt
Vorsitzender des DEHOGA Baden-Württemberg