Arbeitszeitgesetz

DEHOGA startet Kampagne für Wochenarbeitszeit

„Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit“ heißt das Motto einer Branchenkampagne, mit der der DEHOGA-Bundesverband am 22. März in Berlin ins Bundestagswahljahr gestartet ist. Der Grund: Mehr als jeder zweite Betrieb musste seit 2015 wegen des Arbeitszeitgesetzes seine Öffnungszeiten reduzieren.

DEHOGA-Präsident Guido Zöllick und Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges zum Kampagnenstart am Brandenburger Tor. (Foto: DEHOGA Bundesverband/Bildschön)


Die Resonanz ist riesig, das Ergebnis erschreckend:
54,2 Prozent der Betriebe aus Gastronomie und Hotellerie haben seit 2015 wegen des Arbeitszeitgesetzes ihre Öffnungszeiten reduziert, in Baden-Württemberg waren es sogar 64,7 Prozent. Das ist das Ergebnis einer großangelegten Online-Umfrage, an der sich bundesweit mehr als 6 000 Betriebe beteiligt haben, allein fast 1500 davon aus Baden-Württemberg.

Jeder Zweite reduziert Leistungsangebot

50,4 Prozent der teilnehmenden Betriebe haben ihr Leistungsangebot (Küchenzeiten, Speiseauswahl, Veranstaltungen, Mittagstisch, Catering) eingeschränkt und 32,5 Prozent die Zahl ihrer Ruhetage erhöht. Seit 2015 müssen die Arbeitszeiten minutiös dokumentiert werden, damit kontrolliert werden kann, ob die Bestimmungen zum Mindestlohn eingehalten werden. „Die Zahlen untermauern dramatisch, wie sehr das starre Arbeitszeitkorsett dem Gastgeber-Standort schadet“, so Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA-Bundesverbandes, der mit einem Bildtermin vor dem Brandenburger Tor und einer Pressekonferenz zu diesem Thema am 22. März offiziell ins Bundestagswahljahr startete und diesen Monat noch Wahlprüfsteinevorlegen möchte.

Problem: die Nachfrageschwankungen

Beispiele gibt es genug: Wenn eine Hochzeit länger dauert als geplant, sich der Reisebus verspätet oder der Sommerabend zum Verweilen im Biergarten einlädt – sollen die Betriebe ihren Service einstellen? „Wie kaum eine andere Branche sind wir geprägt von erheblichen Nachfrageschwankungen“, so Zöllick. „Selbst bei bester Personaleinsatzplanung stoßen wir an unsere Grenzen.“

Doch das Arbeitszeitgesetz widerspricht nicht nur Gäste- und Unternehmerwünschen, sondern auch dem ausdrücklich Wunsch von Arbeitnehmern. Mitarbeiter, die gerne länger, aber dafür an weniger Arbeitstagen arbeiten wollen, sind betroffen. Ebenso Nebenbeschäftige, die sich freiwillig etwas hinzuverdienen wollen. Das Arbeitszeitgesetz hindert sie an ihrem persönlichen Engagement.

„Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit“

Der DEHOGA hält die starre tägliche Höchstarbeitszeit im geltenden Arbeitszeitgesetz von regelmäßig acht, im Ausnahmefall maximal zehn Stunden für nicht mehr zeitgemäß. Er macht sich deshalb stark für eine Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. So könnten Arbeitszeiten individuell und flexibel auf die Woche verteilt werden, ohne die Gesamtarbeitszeit zu verlängern.
„Es geht nicht um mehr Arbeit“, erklärte Zöllick, „sondern um eine bessere Verteilung der Arbeitszeit. Gesundheitsschutz, Jugendarbeitsschutz und Mindestruhezeiten bleiben gewahrt.“
Der DEHOGA beruft sich bei seinem Lösungsvorschlag auf die EU: Die Europäische Arbeitszeitrichtlinie sieht die Möglichkeit vor, Arbeitszeiten flexibler auf die Woche aufteilen zu können. Die Wochenarbeitszeit nach EU-Recht schafft Flexibilität.

Kampagnenseite: wochen-arbeitszeit.de

Alle Informationen zur Kampagne, Hintergründe, Flyer, Testimonials und Argumente sind auf der Kampagnenseite www.wochen-arbeitszeit.de zusammengestellt.
Im Zentrum stehen authentische Gesichter und Geschichten. Arbeitgeber und Mitarbeiter schildern konkret, praxisnah und zum Teil auch Hand in Hand, wie sie das Arbeitszeitgesetz einschränkt. „Es ist keine Kampagne über die Branche, es ist eine Kampagne aus der Branche heraus“, so Zöllick.

Branchenprognose für 2017

Der Verband präsentierte auf seiner Pressekonferenz zudem die aktuellen Kennzahlen, frisch aufbereitet in der Publikation „Wirtschaftskraft und Jobmotor Gastgewerbe“.
Die Branche ist im vergangenen Jahr nominal um 2,9 Prozent gewachsen, real dagegen um 0,9 Prozent. Die Ertragslage bleibt also angespannt. Für Frust sorgen stetig steigende Betriebskosten und unzählige kosten- und zeitintensive Bürokratieauflagen, die jedes Jahr mehr werden. Der DEHOGA geht für dieses Jahr dennoch von einem nominalen Plus von 2,0 Prozent aus.

 

Zum Download im Servicecenter

Die wichtigsten Kenndaten und aktuellen Entwicklungen der Branche finden Sie zusammengefasst in der Broschüre  Wirtschaftskraft und Jobmotor 2017