DEHOGA-Umfrage zum Arbeitszeitgesetz:

„Wenn der Zoll kommt und mich bestraft, höre ich auf“

Die Gastronomie im Land leidet massiv unter dem starren Arbeitszeitgesetz und der Belastung durch immer mehr Bürokratie. Viele Betriebe haben deshalb schon ihre Öffnungszeiten verkürzt oder Angebote eingeschränkt, wie eine Umfrage des DEHOGA-Umfrage erschreckend klar belegt.

1472 Gastronominnen und Gastronomen aus Baden-Württemberg haben sich im Januar/ Februar 2017 an der Online-Umfrage beteiligt. „Die enorm starke Resonanz zeigt, wie groß der Problemdruck ist“, betont DEHOGA-Landesvorsitzender Fritz Engelhardt, der allen Umfrageteilnehmern im Namen des Verbandes dankt. „Vor allem die Kommentare der Kolleginnen und Kollegein in der Umfrage, sollten die Politik wachrütteln“, erklärt der Verbandsvorsitzende. „Wenn wir eine vielfältige mittelständische Gastronomie als Eckpfeiler des Tourismus in unserem Land erhalten wollen, kann es so auf Dauer nicht weitergehen.“

Ziel der Umfrage war es, aufzuzeigen, wie sich die seit 2015 deutlich veränderten Rahmenbedingungen speziell auf kleine und mittlere Gastronomiebetriebe auswirken.

Zur Erinnerung: Seit der Einführung des Mindestlohngesetzes 2015 müssen Betriebe die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten dokumentieren – auf diese Weise rücken die altbekannten Konflikte der Branche mit dem Arbeitszeitgesetz verstärkt in den Fokus und erschweren die rechtskonforme Dienstplangestaltung. Auch an anderer Stelle, z. B. im Bereich der Allergenkennzeichnung, hat die Bürokratiebelastung der Betriebe zugenommen.

Massive Auswirkungen aufs Angebot

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick: Mehr Ruhetage: 40 Prozent der Umfrageteilnehmer haben seit 2015 aufgrund des Arbeitszeitgesetzes die Zahl der Ruhetage erhöht.

Kürzere Öffnungszeiten: Fast zwei Drittel der Befragten (64,7%) gab an, aufgrund des Arbeitszeitgesetzes die Öffnungszeiten reduziert zu haben.

Weniger Angebote: Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer erklärte, dass sie in den letzten beiden Jahren das betriebliche Leistungsangebot reduziert haben, also z. B. keinen Mittagstisch mehr anbieten oder Einschränungen bei Bankettveranstaltungen und Feierlichkeiten machen mussten.

 

 

 

Im Schnitt verbringen die Umfrageteilnehmer rund 12 Stunden pro Woche mit reiner Bürokratie – zum Beipsiel mit dem Überprüfen von Stundenzetteln, dem Führen von Arbeitzeitkonten, der immer komplizierteren Mitarbeiter-Einsatzplanung oder mit der Vielfalt anderer Dokumentationen (z. B. Allergene, Hygiene etc.).

Bei der ohne Antwortvorgaben gestellten Frage nach den größten Bürokratie-Belastungen dominiert das Thema Arbeitszeit-Dokumentation bei Weitem – die Gleichförmigkeit der Antworten ist frappierend und zeigt: Die starre 10-Stunden-Höchstgrenze für die tägliche Arbeitszeit stellt gastgewerbliche Kleinbetriebe vor teilweise kaum noch lösbare Probleme. „Ich bescheiße beim Stundennachweis in der Hoffnung, der Zoll kommt nicht. Falls der kommt und mich bestraft höre ich auf“, schreibt ein Umfrageteilnehmer – und so wie ihm geht es offenbbar vielen.

Die typisch-gastgewerbliche Konstellation: kleine Betriebe, lange Öffnungszeiten und schwer planbare, gastgesteuerte Auslastungsschwankungen machen die Einhaltung der 10-Stunden-Obergrenze auch bei gutem Willen für viele nahezu unmöglich. Die Reaktion der Unternehmerfamilien ist neben der Angebotsverringerung auch vor allem auch eigene Mehrarbeit. Der Frust über diese dauerhaft (zu) hohe Belastung sitzt offenkundig tief und droht, auf die Dauer zu mehr Betriebsschließungen und zu einer Ausdünnung des gastronomischen Angebots zu führen. DEHOGA-Landesvorsitzender Engelhardt: „Diese die Umfrage ist ein Warnsignal. Entlastung für die Gastrononomie ist dringend geboten.“

Download

Die kompletten Umfrageergebnisse stehen für DEHOGA-Mitglieder zum Download zur Verfügung: Zu den Umfrageergebnissen