Portrait Vincent Klink, Restaurant Wielandshöhe, Stuttgart

Ein unerschütterlicher Optimist

Vincent Klink
"Gastronom des Jahres" Vincent Klink in seiner derzeit geschlossenen Wielandshöhe. Bild: Daniel Schreiber

Vincent Klink ist eigentlich ein unerschütterlicher Optimist. Einer, der im Frühjahr selbst bei monatlich 80.000 Euro Verlust in seiner Wielandshöhe stets eher ein volles Glas vor sich stehen sah. Jetzt, mitten im zweiten Lockdown, bröckelt seine gute Laune. "Das liegt aber auch an den dunklen Tagen", seufzt er.

Wenn es selbst einem gelassenen Fels in der Brandung wie Klink langsam zu viel wird, dann sollte man aufhorchen. Dennoch relativiert er seine Laune schnell: "Mir tut es ja vor allem um die ganzen jungen Kollegen leid. Die bekommen ja schon das ganze Jahr um die Ohren gehauen, sie sollen Rücklagen bilden. Wenn ich das nur höre! Rücklagen sind mir erst in den letzten zehn Jahren geglückt."

"Mir tut es ja vor allem um die ganzen jungen Kollegen leid. Die bekommen ja schon das ganze Jahr um die Ohren gehauen, sie sollen Rücklagen bilden. Wenn ich das nur höre!"

Auch einen Vincent Klink trifft die Krise. "Wenn auch bedingt", merkt er an. "Klar, die Altersvorsorge schmilzt dahin, aber..." Er pausiert kurz, lacht. "Dann arbeiten wir halt noch bisschen länger." Langeweile ist ihm immer noch ein Fremdwort: Der Garten, die Musik, Goethes "Faust", es mangelt nicht an Interessen. Er würde aber eben einfach gern mal wieder das sein, was ihm am meisten Spaß macht: Gastgeber.

Deswegen freut ihn die aktuelle Auszeichnung im Gault & Millau auch so sehr: zum Gastronomen des Jahres 2021 ist er ernannt worden. "Das Schöne an dieser Auszeichnung ist, dass sie auch für meine Mitarbeiter gilt. ich vergleiche mich da gern mit einem Fußballtrainer: Da springen noch elf andere und ich muss immer nur schreien: Schneller, schneller, schneller."

"Die Menschen haben den Wert der Gastronomie neu zu schätzen gelernt."

"Ich bin seit 54 Jahren Koch und seit 43 Jahren selbstständig. Aber die drei Monate, die wir zwischen dem ersten und zweiten Lockdown geöffnet hatten", betont er, "waren die schönsten in meiner Laufbahn. Die Menschen haben den Wert der Gastronomie neu zu schätzen gelernt." Er schmunzelt. "Und nebenbei herausgefunden, wie schön Deutschland ist."

Wann Reisen und Hotelübernachtungen wieder möglich sind, steht bei Drucklegung dieses Magazins noch nicht fest. Sicher hingegen ist für ihn: Die Branche muss sich zusammentun. "Der Sektor, in dem all die Hygienekonzepte funktioniert haben – die Speisegastronomie – wird wieder dichtgemacht anstatt dass man einsieht, dass die Leute dort optimal aufgeräumt sind. Da greife ich mir an den Kopf. Was sind das denn für weltfremde Schreibtischblindgänger?"

"Die Branche muss im Verband organisiert sein, dann kann man auf den Putz hauen."

Die Branche müsse einfach in einem Verband wie dem DEHOGA organisiert sein, so Vicent Klink. "Dann kann man auf den Putz hauen." Dennoch: All die Probleme der Gastromonie seien natürlich nicht erst mit Corona gekommen. "Die gab es schon immer", nickt Klink. "Wir sehen sie nur besonders deutlich. Jetzt haben wir als Branche also die Chance, gereinigt aus der Krise hervorzugehen. Wir müssen sie nur nutzen und uns zusammentun. Es gibt nämlich durchaus so etwas wie Kollateralnutzen." Er ist doch noch da, der unverwüstliche Optimist von der Wielandshöhe.


Text: Björn Springorum, erschienen im DEHOGA Magazin, Ausgabe Januar 2021