Interview

"Ich freue mich, viele zukunftsorientierte Betriebe und Projekte fördern zu können"

Minister für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk. Foto: MLR/Potente

Mit 20 Millionen Euro fördert das Land 2020 und 2021 Investitionen des Gastgewerbes im ländlichen Raum – ein Erfolg, für den sich der DEHOGA eingesetzt hatte. Peter Hauk (CDU), zuständiger Minister der Landesregierung, erläutert die neuen Fördermöglichkeiten.

Herr Minister, die Zahl der gastgewerblichen Betriebe im ländlichen Raum Baden-Württembergs sinkt seit Jahren. Viele Dörfer in ländlichen Regionen haben gar kein Gasthaus mehr. Beunruhigt Sie diese Entwicklung?

Peter Hauk: Die Entwicklung, die in unseren Dörfern, aber auch in den Städten zu beobachten ist, beschäftigt mich schon seit einer Weile. Gerade in den Dörfern sind die Gasthöfe in meinen Augen von großer Bedeutung. Zum einen betrifft es den Aspekt der Gemeinschaft, man könnte auch "sozialer Zusammenhalt" sagen. In den Dörfern braucht es einen Ort, an dem sich die Menschen ungezwungen treffen können, miteinander in Kontakt kommen. Dabei denke ich nicht nur an den klassischen Stammtisch, sondern auch an das Feiern von Geburtstagen, Einschulungen oder dem Gewinn eines wichtigen Verbandsspiels. Zum anderen ist gerade auf dem Land der Aspekt der Grundversorgung wichtig. Wenn in einem Dorf weder ein Grundsortiment an Lebensmitteln erhältlich ist, noch eine warme Mahlzeit, dann sehe ich die Grundversorgung in Gefahr. Dies gilt besonders für Personen mit eingeschränkter Mobilität – vor dem Hintergrund des demografischen Wandels habe ich hier vor allem den älteren Teil der Bevölkerung im Blick.

Mit einer "Sonderlinie Dorfgastronomie" im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) versucht die Landesregierung nun, den Abwärtstrend zu stoppen – Ihr Ministerium ist dabei federführend. Was wird konkret getan für die Branche?

Das Land betreibt mit dem ELR seit 25 Jahren eine vielseitige Strukturförderung. In all den Jahren haben wir immer geschaut, wo den Gemeinden im Ländlichen Raum der Schuh drückt. Neben dem knappen zeitgemäßen Wohnraum hat sich in den letzten Jahren verstärkt das Problem der Grundversorgung gezeigt. Im ELR können vielfältige infrastrukturelle Maßnahmen gefördert werden, beispielsweise die grundlegende Modernisierung von Gasthäusern, die Erweiterung von Gasträumen, die Umnutzung einer Scheune in ein Café oder auch die Hinzunahme eines angrenzenden Wohnhauses für Gästezimmer. Neben dieser direkten Förderung tun wir unser Bestes, um auch die allgemeinen Rahmenbedingungen auf dem Land zu fördern: zeitgemäßer Wohnraum erleichtert die Gewinnung von Mitarbeitern, ein attraktives Ortsbild zieht potentiell mehr Einwohner und Gäste an, ein wirtschaftlich starkes Umfeld erhöht die Kaufkraft vor Ort.

Was müssen gastgewerbliche Betriebe tun, um vom neuen Förderprogramm zu profitieren?

Die Aufnahme in das ELR erfolgt immer über die Gemeinden, so auch im Fall der Sonderlinie Gastronomie. Die Betriebe stellen bei der Gemeinde einen Antrag auf Förderung, diese Anträge werden dann auf Landkreisebene gebündelt und priorisiert. Die Regierungspräsidien schauen dann in Abstimmung mit dem Ministerium für Ländlichen Raum, welche Maßnahmen entsprechend dem vorhandenen Budget eingeplant werden können. Wichtig ist für uns der strukturelle Effekt und die regionale Ausgewogenheit.

Welche Betriebe können gefördert werden, und ab wann sind Anträge möglich?

Grundsätzlich können alle Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeitern im ELR berücksichtigt werden. Die Fördermöglichkeiten hängen aufgrund rechtlicher Vorgaben stark von der Betriebsgröße ab. Anträge können jederzeit gestellt werden, die Einplanung der Mittel erfolgt grundsätzlich zweimal im Jahr. Dieses Jahr können für die nächsten Auswahlrunden Anträge bis zum 30. April sowie bis zum 30. September 2020 gestellt werden.

Sie haben sich persönlich für die Förderung investitionsbereiter Betriebe der Branche im ländlichen Raum eingesetzt. Was waren Ihre Beweggründe?

Ganz einfach: Ich stamme aus einer ländlichen Region und komme beruflich in viele ländliche Gemeinden. Dort fällt mir immer wieder das ungeheure Potential auf, das dort schlummert. Wenn ich sehe, wie innovativ und erfolgreich manche gastronomischen Projekte umgesetzt wurden, weiß ich, dass das noch an vielen Stellen im Land möglich ist. Deshalb freue ich mich, viele zukunftsorientierte Betriebe und Projekte bei ihrem mutigen Weg fördern zu können.

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