Nach Einschätzung Luthes wirft die Bewertung von Nachhaltigkeitszertifikaten mehr Fragen auf, als sie Orientierung bietet. Zwar begrüßt er grundsätzlich das Ziel, Nachhaltigkeitsaspekte bei dienstlich genutzten Hotels stärker zu berücksichtigen. Die konkrete Umsetzung durch die Behörden bewertet er jedoch kritisch.
Zu den zentralen Kritikpunkten des IHA zählen:
- Mangelnde Aktualität der Bewertungsgrundlagen: Beim Zertifizierungssystem GreenSign beziehe sich das UBA auf ein inzwischen überholtes Stufenmodell. Dies könne zu Verunsicherung bei Hotels führen, die bereits nach dem neuen Verfahren zertifiziert sind.
- Unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe: Während bei einigen Zertifikaten ältere Bewertungsstände herangezogen worden seien, seien bei anderen Systemen sehr aktuelle Kriterien berücksichtigt worden. Aus Sicht des IHA fehlt dadurch ein konsistenter Bewertungsansatz.
- Fragwürdige Auswahl der langfristig anerkannten Zertifikate: Mehrere vom UBA dauerhaft anerkannte Systeme hätten auf dem deutschen Markt nur eine geringe Verbreitung. Die praktische Relevanz für die öffentliche Beschaffung werde daher infrage gestellt.
- Unzureichende Transparenz: Obwohl das UBA Transparenz und leichte Verständlichkeit als Voraussetzung definiere, seien wesentliche Informationen einiger anerkannter Zertifizierungssysteme nicht vollständig in deutscher Sprache verfügbar.
- Kritik an der regulatorischen Grundlage: Der Blogbeitrag bemängelt, dass sich der Kriterienkatalog teilweise auf politische und regulatorische Vorhaben stütze, deren weitere Zukunft auf europäischer Ebene unsicher sei.
- Unklarer Umgang mit sogenannten Muss-Kriterien: Laut Luthe müssen die definierten Pflichtkriterien nicht vollständig erfüllt werden. Dadurch könne ein Zertifizierungssystem anerkannt werden, obwohl es nicht alle Muss-Kriterien abdeckt, während andere Systeme trotz guter Leistungen durch das Raster fallen.
- Fragwürdige Referenzfunktion des EU Ecolabels: Der IHA hält es für problematisch, dass ein in Deutschland kaum verbreitetes Label als Maßstab für die Bewertung anderer Zertifizierungssysteme herangezogen werde.
- Zu starke Fokussierung auf ökologische Aspekte: Nach Ansicht Luthes reduziert die Methodik Nachhaltigkeit weitgehend auf Umweltaspekte. Themen wie Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, Governance oder regionale Wertschöpfung spielten bei der Anerkennung von Zertifikaten nur eine untergeordnete Rolle.
Darüber hinaus kritisiert der IHA den gesamten Entstehungsprozess des Kriterienkatalogs. Die zwischenzeitlich notwendige Korrektur der veröffentlichten Unterlagen habe Zweifel an der Qualitätssicherung geweckt.
Gleichzeitig weist Luthe darauf hin, dass das UBA einen komplexen politischen Auftrag umzusetzen hatte. Die Behörden hätten Nachhaltigkeitsziele, Vergaberecht, regulatorische Vorgaben und einen dynamischen Zertifizierungsmarkt miteinander in Einklang bringen müssen. Aus Sicht des IHA fehlten dafür jedoch klare Zuständigkeiten und dauerhaft tragfähige Strukturen.
Fazit des IHA
Das neue Hotelverzeichnis des Bundes werde seinem Anspruch einer nachvollziehbaren und praxisgerechten Nachhaltigkeitsbewertung derzeit nicht gerecht. Die vorgestellte Systematik sei aus Sicht des Verbands weder ausreichend marktnah noch konsistent ausgestaltet.