Gründungsoffensive Gastgewerbe gestartet

Stuttgart, 27. Februar 2009 — Die Erfolgschancen für Existenzgründer und Betriebsübernehmer im Hotel- und Gaststättengewerbe Baden-Württembergs nachhaltig zu verbessern ist das Ziel der „Gründungsoffensive Gastgewerbe“ – einem vom Wirtschaftsministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA, das Wirtschaftsminister Ernst Pfister und DEHOGA-Präsident Peter Schmid heute in Stuttgart vorstellten.

Wirtschaftsminister Ernst Pfister (3.v.l.) und DEHOGA-Präsident Peter Schmid (2.v.r.) stellten auf der Landespressekonferenz in Stuttgart gemeinsam die Gründungsoffensive Gastgewerbe vor.

„Gründungs-Gutscheine für gezielte Qualifizierungs- und Beratungsangebote sollen dafür sorgen, dass Unternehmerinnen und Unternehmer im Gastgewerbe künftig vom Start weg erfolgreicher arbeiten und existenzgefährdende Fehler vermeiden“, erläuterte Schmid die Zielsetzung. Für Pfister ein „Pilotprojekt mit Signalwirkung auch für andere Branchen.“ Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg fördert das bis zum 30.9. 2011 laufende Projekt „Gründungsoffensive Gastgewerbe“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds mit 214.853 Euro. Dies entspricht 45 Prozent des Ge-samtprojektvolumens. Den Rest steuert der Projektträger DEHOGA bei.

Der Traum von der Selbständigkeit lässt sich im Gastgewerbe scheinbar besonders leicht erfüllen – schließlich sind die formalen Anforderungen für die Eröffnung eines Betriebes nicht allzu hoch. Jahr für Jahr starten daher rund  8000 Menschen (darunter rund 4.000 Neugründungen und weitere 4.000 Übernahmen) in Baden-Württemberg eine Unternehmerkarriere in der Gastronomie und Hotellerie – mehr als fünf Prozent aller Neugründungen entfallen auf die gastliche Branche, erfahrungsgemäß mit steigender Tendenz in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Kehrseite der Medaille: Rund zwei Drittel der Gründungen scheitern innerhalb der ersten fünf Jahre.

Qualität der Gründungen erhöhen

An diesem Punkt setzt die „Gründungsoffensive Gastgewerbe“ an. „Der
DEHOGA Baden-Württemberg e.V. verfolgt im Rahmen dieses Projektes einen ganzheitlichen Ansatz bei der Unterstützung von Gründerinnen und Gründern im Gastgewerbe“, würdigte Pfister das Projekt. Mit Hilfe einzelner, aufeinander auf-bauender Informations-, Qualifizierungs- und Beratungsangebote sollen sowohl die Qualität der Gründungsvorhaben insgesamt als auch die Qualität der Grün-dungsvorbereitung im Gastgewerbe erhöht werden. „Besonders hervorzuheben ist, dass es innerhalb des Projekts einen Integrationsbeauftragten gibt, der aus-ländischen Gründungsinteressierten oder Gründungsinteressierten mit Migrati-onshintergrund als Moderator und Vertrauensperson zur Seite stehen wird“, be-tonte der Minister.

 „Wir setzen auf Information, individuelle Beratung und Qualifizierung angehen-der Unternehmer im Gastgewerbe“, so DEHOGA-Präsident Peter Schmid. „Un-ser Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität der Gründungen nachhaltig zu verbessern. Im Vordergrund steht dabei die Qualität und nicht die Quantität.“

Mit Gutscheinen zum Gründungs-Erfolg

Die Gründungs-Gutscheine Gastgewerbe gibt es auch im Internet unter www.gruendungsgutscheine.de

Im Zentrum der Initiative stehen Gründungs-Gutscheine für geförderte Beratungs-, Informations- und Seminarangebote. Die Palette der Leistungen, die mit den Gründungs-Gutscheinen abgerufen werden können, reicht vom unverbindlichen Orientierungsgespräch über die Teilnahme an landesweit durchgeführten Informationstagen für Gründerinnen und Gründer bis hin zu individueller Gründungs-Beratung durch unabhängige Branchenexperten. Darüber hinaus können Gründerinnen und Gründer ein umfangreiches Informationspaket des DEHOGA anfordern und ihre individuelle Finanzierungsplanung im Rahmen eines „Gründungs-Checkups – Finanzierung und Rentabilität“ vor Ort professionell prüfen lassen. Die Angebote, die mit den Gründungs-Gutscheinen genutzt werden können, sind kostenlos oder durch Zuschüsse des Landes und des DEHOGA stark vergünstigt.

„Die Gründungs-Gutscheine können individuell und ganz nach persönlichem Bedarf eingesetzt werden. Damit sprechen wir Betriebsübernehmer, die bereits Branchenerfahrung haben, ebenso an wie Quereinsteiger, die ohne Berufserfahrung im Gastgewerbe eine Unternehmerkarriere starten wollen“, erläuterte Peter Schmid. Auch Unternehmerinnen und Unternehmer, deren Betrieb bereits gegründet ist, können von den Gutscheinen profitieren: Sie haben bis zu fünf Jahre nach Gründung oder Übernahme ihres Betriebes Anspruch auf eine geförderte Gründungs-Beratung.

Da das Gastgewerbe bei Existenzgründerinnen und -Gründern mit Migrationshintergrund eine besonders beliebte Branche ist, werden die Gründungsgutscheine künftig im Internet in mehreren Sprachen (deutsch, italienisch, türkisch, englisch) abrufbar sein.

Junge Unternehmerexistenzen nachhaltig sichern

Aus Sicht des Hotel- und Gaststättenverbandes verdeutlicht das Projekt „Gründungsoffensive Gastgewerbe“ in vorbildlicher Weise den Ansatz der Nachhaltigkeit in der baden-württembergischen Wirtschaftsförderpolitik: „Nicht die einseitige Fixierung auf Unternehmensgründer, sondern auch die Sicherung bereits bestehender junger Unternehmerexistenzen steht im Fokus. Der DEHOGA hat diese nachhaltige Strategie maßgeblich mit angeregt und übernimmt bei der Umsetzung des Gutschein-Konzeptes im Rahmen Gründungsoffensive Gastgewerbe Pilotfunktion“, so Peter Schmid.

Ob die Gründungsoffensive Gastgewerbe auf breiter Basis erfolgreich sein wird, hängt nach Schmids Worten ganz wesentlich von der Verbreitung der Gründungs-Gutscheine ab. „Alle Institutionen, die Existenzgründer und Betriebsübernehmer beraten, sind herzlich eingeladen, dieses Instrument im Interesse der angehenden Unternehmer zu nutzen.“ Das gelte für die einschlägigen Beratungsstellen der Industrie- und Handelskammern ebenso wie für Banken und für die Konzessionsbehörden in den Städten und Gemeinden des Landes. Peter Schmid: Wir sehen in den Gründungs-Gutscheinen ein dynamisches System, das möglichst breit eingesetzt und künftig durch weitere Angebote ergänzt und ausgebaut werden kann.“

Ein Beispiel für innovative Verbandsarbeit

Für Pfister ist dieser integrierte Ansatz einer systematischen Gründungsförde-rung über Gutscheine ein Projekt, das bei Erfolg auch in andere Branchen übertragen werden könnte. „Nachdem Baden-Württemberg mit den Innovationsgut-scheinen ein bundesweit beachtetes Instrument der nachfrageorientierten Innovationsförderung erfolgreich umgesetzt hat, gibt es auch konkrete Überlegungen, die Existenzgründungsförderung auf ein noch direkter wirkendes Gutscheinsystem umzustellen. Das Projekt „Gründungsoffensive Gastgewerbe“ ermöglicht es uns, praktische Erfahrungen in Bezug auf Vermarktung, Akzeptanz und die möglichst unbürokratische Abrechnung von Gutscheinsystemen zu sammeln“, so Pfister.

Insgesamt ist das Projekt „Gründungsoffensive Gastgewerbe“ für Pfister ein Beispiel für eine hervorragende, innovative Verbandsarbeit des Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Baden-Württemberg e.V. „Verbänden, denen es gelingt, bedarfsorientierte Serviceangebote zu offerieren und dabei auch ein Stück weit den Strukturwandel in der Branche vorwegzunehmen, brauchen sich über ihre Mitgliederzahlen keine Sorgen zu machen“, so Pfister abschließend.

Die Gründungs-Gutscheine können in gedruckter Form beim DEHOGA Baden-Württemberg angefordert oder im Internet unter www.gruendungsgutscheine.de abgerufen werden.