HRS sorgt für Wut und Empörung

Erst wenige Wochen ist es her, dass die HRS Hotel Reservation Service GmbH die Aktienmehrheit beim Konkurrenten hotel.de AG übernommen hat und schon nutzt der Betreiber eines Buchungsportals seine neue Marktposition und sorgt für Wut und Ärger bei vielen Hoteliers: Am 17. Januar kündigte HRS per Rundmail an, dass die Buchungsprovision zum 1. März 2012 um mehr als 15 Prozent steigen soll – von 13 auf 15 Prozent.

Diese Preiserhöhung ist Bestandteil neuer allgemeiner Geschäftsbedingungen, die ab dem genannten Zeitpunkt gelten sollen und weiteren Zündstoff bieten. Die gravierendsten Änderungen sind:

  • Die Provision wird von 13% auf 15% erhöht. Dies gilt jedenfalls für Einzelbuchungen, bei Gruppenbuchungen fallen 13%, bei Tagungen 10% an. Die Preisanhebung ist nach Angaben von HRS eine Anpassung an den Markt. Zudem diene sie dem Ausbau des Vertriebskanals.
  • Ratenparität und Verfügbarkeitsstellung des letzten Zimmers soll jetzt auch in Bezug auf die eigene Homepage und Rezeption des Hotels gelten.
  • Lastschriftverfahren soll verpflichtend werden.
  • In schwierigen Fällen behält sich HRS vor, eine Kaution in Höhe einer durchschnittlichen Monatsprovision zu verlangen.
  • HRS behält sich ferner vor, Hotels mit schlechten Bewertungen und/oder anhängigen Gerichtsverfahren zu sperren oder aus dem System zu nehmen.

Kleineren, bisher nicht an das weltweite GDS-System angeschlossenen Hotels bietet HRS nach eigenen Angaben künftig einen Zusatznutzen: Durch eine strategische Kooperation von HRS mit der Amadeus IT Group einen solchen Anschluss ohne Zusatzkosten. Mehr als 91000 Reisebüros und 65000 Verkaufsbüros von Fluggesellschaften nutzen das Amadeus-System als Buchungsmedium.

Rechtliche Prüfung angekündigt
Dennoch: Die satte Preiserhöhung und der Zwang, den gleichen Preis, den sie selber an der Rezeption oder auf der eigenen Internetseite anbieten, auch bei HRS einzustellen, empört viele Hoteliers, wie die beim DEHOGA-Landesverband Baden-Württemberg eingehenden Reaktionen zeigen.

DEHOGA und Hotelverband Deutschland wollen deshalb – auch mit Blick auf die durch den Zukauf von hotel.de gewachsene Markstellung von HRS – prüfen lassen, in wieweit die neuen AGB mit dem Wettbewerbs- und Kartellrecht sowie mit den AGB-Vorschriften vereinbar sind.

Ungeachtet des Ausgangs dieser Prüfung zeigt dieses Beispiel nach Ansicht des Vorsitzenden der Fachgruppe Tourismus und Hotellerie, Wilhelm Schofer, deutlich, dass Hoteliers gut beraten sind, wenn sie versuchen, möglichst viele Gäste über die eigene Homepage zu gewinnen.

Die hat sich nämlich in den letzten Jahren neben den Internetportalen zum wichtigsten Marketingkanal entwickelt. Darauf wies David Heidelberg, Vorstand beim DEHOGA-Kooperationspartner TourOnline, bei einem Fachkongress der Fachgruppe Tourismus und Hotellerie hin. Nach einer Statistik des Hotelverbandes Deutschland (IHA) kommen über die Hotel-Homepage in Deutschland mittlerweile fast so viele Buchungen wie über die Portale (siehe Grafik rechts).


Auf die eigene Internetseite setzen
Heidelberg empfahl den Hotelbetrieben deshalb, auf die eigene Internetseite ein besonderes Augenmerk zu legen, weil dieser Online-Vertriebsweg einige Vorteile bietet: den niedrigsten Distributions-Kosten (Provisionen), die höchste Kundenbindung und die flexibelsten Individualisierungs-Möglichkeiten. Allerdings hat so manches Hotel eine gepflegte, stets aktuelle Seite und dennoch kommen immer mehr Buchungen über Buchungsportale. Das kostet Provision, ist ärgerlich und kein Zufall: Dahinter steckt intensives Suchmaschinen-Marketing der Portalbetreiber.

Suchmaschinen-Optimierung wichtig
Dagegen können sich Hotels aber wehren – zum Beispiel, indem sie sich selbst eingehend mit dem Thema Suchmaschinen- Optimierung befassen. Es geht dabei um viel Geld: Weltweit verlieren Hoteliers durch unnötige Provisionen und Suchmaschinenmarketing von Buchungsportalen jährlich insgesamt 2,2 Mrd. US-Dollar. Das jedenfalls geht aus dem im Mai 2011 veröffentlichten Brandjacking Index der amerikanischen Markenschutz-Experten Mark Monitor hervor (wir berichteten).

Die HRS Hotel Reservation Service GmbH sorgt mit einer Provisionserhöhung um mehr als 15 Prozent und mit neuen Allgemeinen Geschäftsbestimmungen für Ärger bei zahlreichen Hotelbetreibern.

Demnach fischen die Buchungsportale pro Jahr weltweit mehr als 580 Millionen User und damit potenzielle Gäste ab, die eigentlich direkt die Website des jeweiligen Hotels aufsuchen wollten. Dies ist, so berichtet Mark Monitor, nicht allein ein Ergebnis des intensiven Suchmaschinenmarketings der Portale, sondern auch die Folge der oft unzulänglichen Suchmaschinenkenntnisse und Online-Budgets der Hotels.

Denn wären die Hotels in den Ergebnislisten der Suchmaschinen ganz oben gelistet, würden diese Kunden direkt auf der Hotelwebsite landen. Viele Provisionen, die Hotels an Buchungsportale zahlen, wären damit unnötig, so die amerikanische Studie aus dem vergangenen Jahr.

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W. Schofer

Marktmacht schamlos ausgenutzt
Mit der massiven Erhöhung seiner Provisionssätze und einer an Dreistigkeit kaum zu überbietenden „Anpassung“ seiner AGBs zieht der Hotelbuchungsportal-Betreiber HRS den Zorn der gesamten Branche auf sich. Zu Recht! Denn was sich der Marktführer aktuell erlaubt, hat mit normalen Verhältnissen in einer von gesundem Wettbewerb geprägten Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun ...weiterlesen...

Kommentar von Wilhem Schofer, Vorsitzender der Fachgruppe Tourismus & Hotellerie

Informationen zum Thema Internet-Marketing finden Interessenten in der von der Fachgruppe Tourismus und Hotellerie herausgegebenen Broschüre: „Hotellerie im Internet“ heißt das 44 Seiten starke Heft, in dem die zehn wichtigsten Punkte rund um den Internetvertrieb zusammengefasst sind.

DEHOGA-Mitglieder können die Broschüre nach erfolgreichem Log-In in der Rubrik „Für Hoteliers“ im Kasten „Downloads“ herunterladen!

Wer sich detaillierter mit dem Thema Suchmaschinen-Optimierung und Online- Vertrieb beschäftigen möchte, hat dazu Gelegenheit bei zwei Seminaren der DEHOGA-Akademie am 22. Juni und am 30. November dieses Jahres in Bad Überkingen.

Weitere Informationen zu den Seminaren und zur Seminar-Buchung finden Interessierte hier:

Seminar „Online Vertrieb“