Ausbildungszahlen 2011 rückläufig

Die Ausbildungszahlen im baden-württembergischen Gastgewerbe sind 2011 um 6,8 Prozent gesunken. Grund dafür ist neben dem demografischen Wandel die wachsende Konkurrenz der Branchen um Nachwuchskräfte.

Der demografische Wandel und die wachsende Konkurrenz der Branchen um Nachwuchskräfte sorgten 2011 für einen Rückgang der Ausbildungszahlen im Hotel- und aststättengewerbe. Die Zahlenwerte hat der DEHOGA Baden-Württemberg durch Abfrage bei den IHKs im Land erhoben.

8271 junge Menschen befanden sich zum Jahresende 2011 in einem Ausbildungsverhältnis im baden-württembergischen Gastgewerbe – 607 weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist 2011 zurückgegangen. Sie sank von 3651 auf 3400 – ein Minus von 6,9 Prozent.

Deutlicher Zuwachs beim Beruf Fachkraft im Gastgewerbe

Erfreuliche Ausnahme ist der zweijährige Ausbildungsberuf Fachkraft im Gastgewerbe, wo es entgegen dem allgemeinen Trend kräftige Zuwächse gab. Hier wirkt sich zum einen die stärkere Betonung dieses Berufsbildes im Rahmen der DEHOGA-Kampagne „BiG Ausbildung“ aus, zum anderen dürfte auch die Tatsache ein Rolle spielen, dass die Systemgastronomie verstärkt Jugendliche in diesem Beruf ausbildet.

Insgesamt betrachtet ist die Entwicklung der Ausbildungszahlen, die lange Jahre von hohen Wachstumsraten gekennzeichnet war, mittlerweile jedoch stark rückläufig. „Der Rückgang kommt nicht unerwartet und zeigt deutlich, vor welch großen Herausforderungen unsere Branche in den kommenden Jahren steht – denn zurückgehende Ausbildungszahlen heute bedeuten eine Verschärfung des Fachkräftemangels morgen“, sagt Eva-Maria Rühle, Vorsitzende der Fachgruppe Berufsbildung im DEHOGA Baden-Württemberg und Bundesvorsitzende des DEHOGA-Berufsbildungsausschusses.

Rühle betont zwar, dass die Branche, nach wie vor zu den ausbildungsstärksten Wirtschaftszweigen in Baden Württemberg zählt, es werde jedoch zunehmend schwieriger für die Betriebe, freie Ausbildungsplätze qualifiziert zu besetzen, zumal andere Branchen und große Industrieunternehmen ihre Werbung um Nachwuchskräfte massiv verstärken. „Jugendliche, die heute einen Ausbildungsplatz suchen, haben die Wahl“, so Rühle. Dass diese Wahl immer öfter nicht zugunsten der Branche ausfällt, verdeutlicht die Statistik des Arbeitsamtes: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze im baden-württembergischen Gastgewerbe, die bis 30. September 2011 nicht besetzt werden konnten, stieg gegenüber dem Vorjahr um 41Prozent auf 1102.

Nachwuchsmarketing wichtiger denn je

Der DEHOGA wird daher seine Anstrengungen im Ausbildungsmarketing fortsetzen und intensivieren. Rühle: „Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, aktiv für unsere Berufe zu werben. An Argumenten fehle es der Branche auch nicht: Die Berufe im Gastgewerbe bieten sichere Arbeitsplätze, die nicht ins Ausland verlagert werden können, und hervorragende Karrierechancen. Auch was die Bezahlung der Auszubildenden angeht, muss sich das Gastgewerbe in Baden- Württemberg vor anderen Dienstleistungsbranchen nicht verstecken.

Um diese Argumente noch besser zur Geltung zu bringen, wird der Verband auch neue Wege gehen. Auf der INTERGASTRA wird der DEHOGA Baden- Württemberg das Konzept der „Ausbildungsmentoren“ vorstellen. Termin: 14. Februar 2012 in Halle 5. Diese Mentoren sollen als Praktiker vor Ort – z. B. bei Schulbesuchen – über Berufs- und Karrierechancen im Gastgewerbe informieren (mehr dazu in der nächsten Ausgabe).

Auch Betriebe sind gefordert

Gleichzeitig betont Eva Rühle, dass die Verantwortung der einzelnen Betriebe wächst: „Auszubildende zu gewinnen und im Betrieb zu halten ist in Zeiten des demografischen Wandels keinSelbstläufer mehr. Wer sich auf die Situation nicht einstellt, muss damit rechnen, dass er seine Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen kann.“ Daher gelte es, den eigenen Ruf als guter Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber aktiv zu pflegen. Dazu gehöre nicht nur ein respektvoller Umgang mit den Jugendlichen, sinnvoll seien auch betriebliche Motivationsmaßnahmen, die deutlich machen, dass der Betrieb seine Mitarbeiter fördert – zum Beispiel, indem der die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen und Wettbewerben ermöglicht.“

Service und Informationen für Ausbildungsbetriebe bietet der DEHOGA im Internet im Bereich für Ausbilder.