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Trendwende am Ausbildungsmarkt
Im Jahr 2009 gab es im baden-württembergische Gastgewerbe 4,1 Prozent weniger Auszubild- ende als im Jahr zuvor. So das Ergebnis einer Umfrage der DEHOGA-Fachgruppe Berufs- bildung bei den Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungs- verträge sank um 7,1 Prozent auf 3792. Nur der Beruf der Fachleute für Systemgastronomie konnte einen leichten Zuwachs um 0,4 Prozent bei der Zahl der Auszubildenden verzeichnen. Dabei wurde für dieses Berufsbild im Vorjahr 7,5 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge geschlossen als noch 2008.
Am stärksten ging die Zahl der Auszubildenden bei den Köchen zurück (-7,1 Prozent). Hier wurden im vergangenen Jahr 8,9 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge unterzeichnet als noch im Jahr zuvor. Am wenigsten neue Ausbildungsverträge konnten 2009 bei den Fachkräften im Gastgewerbe abgeschlossen werden. Nur 202 im Vergleich zu 238 im Vorjahr (-15,1 Prozent). Gleich geblieben ist hingegen die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei den Hotelkaufleuten. 54 junge Leute haben 2009 hier eine Ausbildung begonnen.
Betriebe bilden trotz Wirtschaftskrise weiter aus
Regional betrachtet konnten nur zwei IHK-Bezirke positive Zahlen bei der Entwicklung der Ausbildungverträge melden: In Karlsruhe konnten 2,2 Prozent mehr Verträge geschlossen werden als 2008. Die IHK Ulm meldet sogar ein Plus von 3,4 Prozent. In anderen Regionen hingegen gibt es ein deutliches Minus bei den neu eingegangenen Ausbildungsverhältnissen: IHK Heilbronn (-8,5 Prozent), IHK Stuttgart (-6,3 Prozent) sowie IHK Freiburg (-6,2 Prozent). „Der deutliche Rückgang an neuen Ausbildungsverhältnissen liegt aber keineswegs an der mangelnden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe“, stellt Eva-Maria Rühle klar. „Die Bemühungen sind hier trotz der aktuellen wirtschaftlichen Situation ungebrochen hoch.“ Dies bestätigen auch Zahlen der Agentur für Arbeit zum Stichtag 30. September 2009. Während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze in Baden- Württemberg über alle Branchen über diesen Zeitraum hinweg nur leicht um 2,7 Prozent gesunken ist, nahm die Zahl der gemeldeten Bewerber in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent ab. Ähnlich sieht es laut Agentur für Arbeit für die gesamte Bundesrepublik aus.
Während in den Jahren 2002 bis 2007 die Zahl der gemeldeten Bewerber deutlich über den gemeldeten Ausbildungsplätzen lag, nimmt der „Überschuss“ an Lehrstellensuchenden gegenüber freien Lehrstellen seit dem Berichtsjahr 2007/2008 ab. Auch in Baden-Württemberg nähern sich Bewerber und Ausbildungsstellen immer weiter an. Während es 2006 noch 89183 gemeldete Bewerber auf 60892 gemeldete Ausbildungsplätze kamen, waren es 2009 nur noch 66218 gemeldete Bewerber und 65665 gemeldete Lehrstellen.
Wettbewerb um gute Auszubildende
Grund für diese Trendwende ist der demographische Wandel in Deutschland, der mit kommenden geburtenschwachen Jahrgängen verbunden ist. In den vergangenen Jahren ging es vor allem darum, möglichst alle Bewerber mit einem Ausbildungsplatz zu versorgen. Jetzt steht die Wirtschaft vor einer neuen Herausforderung: Sie muss Bewerber für die freien Lehrstellen finden, damit es auch in Zukunft ausreichend qualifizierte Fachkräfte in Deutschland gibt. „Der Wettbewerb unter den Betrieben um gute Auszubildende wird steigen“, ist sich Eva Rühle sicher. Dabei konkurrieren nicht nur die Betriebe innerhalb einer Branche miteinander. „Das Gastgewerbe muss sich nicht nur gegen Handwerk, Industrie und andere Dienstleistungsberufe behaupten, sondern auch gegen die Möglichkeit einer schulischen Weiterbildung“, so Rühle. Laut Angaben der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit entschieden sich im Vorjahr 14440 gemeldete Bewerber in Baden-Württemberg für den Besuch einer weiterführenden Schule, ein Studium oder ein Praktikum anstatt eine Lehre zu beginnen.
Berufskolleg soll Realschüler ansprechen
Das sind fast 22 Prozent aller insgesamt gemeldeten Bewerber und 4,6 Prozent mehr als 2008. „Schulische Weiterbildung scheint für viele Jugendliche in konjunkturschwachen Zeiten attraktiver zu sein als eine Ausbildung“, sagt Rühle. Um die Ausbildung im Gastgewerbe als interessante Alternative auch gegenüber einer schulischen Weiterbildung zu positionieren, wird zurzeit über die Einführung eines dreijährigen Berufskollegs Gastgewerbe nachgedacht. Dieses soll insbesondere Realschulabsolventen, die den größten Anteil an Schulabgängern ausmachen, ansprechen. Zusätzlich zum beruflichen Abschluss kann über das Berufskolleg die Fachhochschulreife erreicht werden. „Für Abiturienten bieten Hotellerie und Gastronomie mit den Zusatzqualifikationen Küchen- und Servicemanagement, Hotelmanagement sowie der Europaqualifikation bereits zahlreiche attraktive weiterführende Bildungsabschlüsse“, sagt Eva Maria Rühle.
„Da wird es Zeit, dass wir auch für Realschüler ein interessantes Qualifizierungsangebot im Gastgewerbe schaffen.“ Außer einem vertieften Unterricht der allgemeinbildenden Fächer wie Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen bietet das Berufskolleg den Teilnehmern vor allem umfangreicheres berufsbezogenes Wissen. „Ein klarer Vorteil auch für die Betriebe“, ist sich die Fachgruppen-Vorsitzende sicher. Das Berufskolleg sei ein weiterer Schritt, das Image von Hotellerie und Gastronomie als attraktive Ausbildungsbranche zu stärken. „Das Image eines Berufsstandes ist für Jugendliche bei der Wahl des Ausbildungsplatzes von großer Bedeutung“, sagt Rühle.
Eine Studie des Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB von 2009 hat gezeigt, dass Schüler in den höheren Jahrgängen der weiterführenden Schulen verschiedene Eigenschaften, die einem Berufsbild zugeordnet werden können, als mehr oder weniger prestigefördernd und damit als mehr oder weniger erstrebenswert einstufen. Als prestigefördernd wurden folgende Eigenschaften eingestuft: „reich“, intelligent“, „gebildet“, „ehrgeizig“. Eigenschaften wie „geschickt“, „körperlich fit“, „fleißig“,„kontaktfreudig“ und „selbstlos“ sehen die Schüler dagegen nicht als prestigefördernd an. Somit erfahren nach Meinung der Jugendlichen Arbeitnehmer in Berufsbildern, in denen der Verdienst gering ist und/oder keine höheren Bildungsabschlüsse erforderlich sind, deutlich weniger Anerkennung.
Collegeblöcke an Schulen verteilt
Selbst dann, wenn sie in ihrem Beruf eine hohe Geschicklichkeit erwerben und sich als sozial umgänglich (arbeitsam, kontaktfreudig und selbstlos) erweisen. Auch bewegungsreiche Arbeiten, welche die körperliche Fitness fördern, helfen nach Ansicht der Schüler kaum, das Prestige zu fördern. „Uns ist es daher sehr wichtig, junge Leute schon frühzeitig über die Berufe im Gastgewerbe zu informieren und Vorurteile abzubauen“, sagt Rühle. So präsentieren sich die DEHOGA-Kreisstellen schon seit Jahren auf den regionalen Berufsbildungsmessen, veranstalten Informationsnachmittage und Wettbewerbe. Im Rahmen der neuesten Aktion wurden 10000 Collegeblöcke sowan die Schüler und Schülerinnen von insgesamt 100 Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien in Baden- Württemberg verteilt. Auf dem Deckblatt finden sich eine Übersicht über die sechs Berufe im Gastgewerbe sowie der Hinweis auf das Ausbildungsportal der Fachgruppe im Internet www.big-ausbildung.de.
Trend zur Fachkraft zu beobachten
Weitere Projekte der Fachgruppe Berufsbildung sollen sich in diesem Jahr verstärkt auf das Berufsbild der Fachkraft im Gastgewerbe konzentrieren. So ist beispielsweise ein Tag der Fachkraft in Baden-Württemberg geplant. Außerdem zeichnet sich ein neuer Trend ab: „Die Betriebe der Systemgastronomie wie zum Beispiel Maredo entdecken seit einigen Jahren die Fachkraft im Gastgewerbe erfolgreich für sich“, so Rühle: „Für uns als Fachgruppe eine sehr positive Entwicklung.“ (em)

- Die Fachgruppe Berufsbildung ließ 10000 Collegeblöcke mit BiG-Ausbildungs-Motiv an baden-württembergischen Schulen verteilen, z.B. an der Waldschule in Stuttgart-Degerloch.
Pünktlich zur INTERGASTRA 2010 hat die DEHOGA-Fachgruppe Berufsbildung ihr Wörterbuch (Gastro – Deutsch / Deutsch – Gastro) präsentiert. 80 Fachbegriffe von A la Carte Service bis Zimmersafe werden in dem praktischen Büchlein im Hosentaschenformat leicht verständlich erklärt. Interessierten Jugendlichen soll so die Branche näher gebracht werden.
Interessiert? Dann einfach bestellen beim
DEHOGA Baden-Württemberg e.V.
FG Berufsbildung Dunja Schlamminger
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