Rühle: Attraktive Angebote schaffen

Der Fokus der Sitzung der Fachgruppe Berufsbildung im DEHOGA Baden-Württemberg am 26. April im Tagungs- und Sporthotel Aramis in Gäufelden-Nebringen lag eindeutig auf dem wachsenden Wettbewerb um gute Auszubildende und auf der Frage,wie das Gastgewerbe hier bestehen kann.„Die Branche muss Jugendlichen attraktive Ausbildungsmöglichkeiten bieten“, so die Aufforderung der Fachgruppen- Vorsitzenden Eva-Maria Rühle.

Die Branche muss Jugendlichen attraktive Ausbildungsmöglichkeiten bieten, forderte Eva Rühle, Vorsitzende der Fachgruppe Berufsbildung. Foto: Maike Emmel

Das baden-württembergische Gastgewerbe beschäftigte im Jahr 2009 rund 9600 Auszubildende. 400 weniger als noch im Jahr zuvor (- 4,1%). Die Zahl der neu abgeschlossenen Arbeitsverhältnisse sank um 7,1 Prozent auf 3792, was jedoch noch unter dem Durchschnitt der Rückgänge in anderen Branchen liegt, so die aktuellen Ausbildungszahlen der Industrie- und Handelskammern im Land, die Dunja Schlamminger, Geschäftsführerin der Fachgruppe Berufsbildung, zu Beginn der Sitzung vorstellte. Bis 2030 soll es insgesamt ein Drittel weniger Auszubildende im dualen System geben. „Die Herausforderung der nächsten Jahre wird es sein, qualifizierten Nachwuchs zu finden“, so Schlamminger. Dabei steht das Gastgewerbe nicht nur im Wettbewerb zu Handwerk oder Industrie, sondern auch zu berufsbildenden Vollzeitschulen, Fachhochschulen und Universitäten.

Dreijähriges Duales Berufskolleg für Realschüler

„Die duale Ausbildung darf nicht ins Hintertreffen geraten“, betont Eva-Maria Rühle. Daher engagiert sich die Fachgruppenvorsitzende in der Enquête- Kommission „Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft – berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung“. Bei einer Anhörung im baden-württembergischen Landtag im März setzte sich Rühle für die duale Ausbildung ein: „Die duale Ausbildung als gemeinsame Leistung von Schule und Wirtschaft ist ein Erfolgsrezept für eine hervorragende Ausbildung und bietet den jungen Leuten gute Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt."

„Unser Ziel ist es, die duale Ausbildung im Gastgewerbe durch attraktive Angebote weiter interessant zu machen“, so Rühle. Gemeinsam haben das baden-württembergische Kultusministerium, die Landesberufsschulen und die Fachgruppe ein Konzept für ein dreijähriges duales Berufskolleg für Hotellerie und Gastronomie entwickelt. Dieses Angebot richtet sich an Schüler mit mittlerer Reife. Diese haben die Möglichkeit, parallel zur Ausbildung die Fachhochschulreife zu erlangen. Ministerialrat Michael Krüger stellte das Modell den Teilnehmern vor.

Über interessante Entwicklungen im Berufsbild Fachkraft im Gastgewerbe berichtete Manfred Büch, Vorstandsmitglied der Fachgruppe Berufsbildung: „Immer mehr Betriebe der Systemgastronomie wollen in diesem Beruf ausbilden.“ Mittlerweile gibt es an vier Standorten in Deutschland Modellprojekte, die speziell die Fachkraft im Gastgewerbe mit Fachrichtung Systemgastronomie ausbilden. Der klassische Beruf Fachfrau/-mann für Systemgastronomie beinhaltet viele kaufmännische Qualifikationen und soll den Auszubildenden auf eine Tätigkeit im Management vorbereiten. „Es gibt aber auch viele Positionen, die zwar eine für die Systemgastronomie ausgebildete Fachkraft erforderlich machen, aber eben keine kaufmännischen Kenntnisse voraussetzen, beispielsweise in der Gastbetreuung“, erläutert Büch die Idee. „Die Fachkraft im Gastgewerbe bietet hier ein enormes Potenzial.“ Die zweijährige Ausbildung für die Fachkraft im Gastgewerbe Fachrichtung Systemgastronomie läuft analog zur Ausbildung der „normalen“ Fachkraft. „Uns war es wichtig, dass wir kein neues Berufsbild schaffen, sondern die bestehenden Spielräume nutzen“, sagt Eva- Maria Rühle.

Qualität für Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebend

„Wettbewerbsfähigkeit hängt aber nicht nur von attraktiven neuen Ausbildungsangeboten ab, sondern auch ganz deutlich von der Qualität der Ausbildung“, stellte Karl Schmider klar. Das Vorstandsmitglied der Fachgruppe Berufsbildung führte weiter aus, dass Qualität zum positiven Image als Ausbildungsbranche beitrage. „Es gibt natürlich auch im Gastgewerbe schwarze Schafe, die ungenügend ausbilden“, so Schmider. Das lasse sich immer wieder in Prüfungsvorbereitungen beobachten. Die DEHOGA-Fachgruppe biete da viel Unterstützung, z.B. den Ausbildungsleitfaden „Wegweiser für Ausbilder“ und begleitende Seminare sowie an der DEHOGA Akademie spezielle Seminare für Auszubildende.

Jürgen Höss, Fachbereichsleiter Hotel- und Gaststättenberufe an der Johann- Georg-Doertenbach-Schule in Calw, informierte über die baulichen und strukturellen Veränderungen an der Landesberufsschule. Claus Reutter von RG Online präsentierte jobtool24, eine Softwarelösung zur Bewerbersuche. DEHOGA-Geschäftsführer Bernd Dahringer beantwortete abschließend aktuelle Rechtsfragen.