4-Sternehotel mit eigener Sozialstation

Dem „Hotel im Kurpark“ in Bad Herrenalb wurde jetzt auf der Stuttgarter Tourimusmesse CMT der Preis „Goldener Rollstuhl“ verliehen. Das behindertengerechte „Hotel am Kurpark“ im Nordschwarzwald wird von der Paulinenpflege Winnenden betrieben. Hoteldirektor Hans Günter Jung und der kaufmännische Geschäftsführer der Paulinenpflege Peter Oertmann-Brandt nahmen auf der Bühne des SWR in Halle 6 diese Auszeichnung entgegen. Die rennomierte Auszeichnung wird vom Verein „Aktive Behinderte“ seit 1994 vergeben.

Ebenerdige, stufenfreie Zugänge zur Lobby, zu den Zimmern, aber auch zu einer großzügig bemes- senen Dusche ist für ältere Menschen und für pflegebedürftige Gäste unverzichtbar. Doch auch jüngere Semester wissen diese Annehmlichkeit im Hotel am Kurpark zu schätzen.

Den etwas sperrigen Begriff der Verhinderungspflege kennen und nutzen manche, die sich aufopfernd um Angehörige kümmern. Denn irgendwann können sie nicht mehr. Sie nehmen dann, von der Pflegekasse finanziell unterstützt, eine Auszeit und tanken neue Kraft. Allerdings ist das oft mit einem schlechten Gewissen verbunden: Wie wird es ihm oder ihr in der Kurzzeitpflege wohl ergehen? Kann ich das wirklich (vor mir) verantworten? – Eine Antwort darauf gibt das „Hotel am Kurpark“ in Bad Herrenalb mit seinem einmaligen Angebot zu sein. Es gibt im Erdgeschoss sogar eine Sozialstation mit Tagespflege. Ihre Dienste kann man auch auf dem Zimmer nutzen.

Die erbrachten Leistungen kann die Station direkt mit der Pflegekasse abrechnen. Technische Hilfsmittel und Geräte jeder Art sind in großer Vielfalt vorhanden und können genutzt werden. Gegenüber vom Hotel stehen mehrere Häuser, die betreutes Wohnen mit einer Arztpraxis bieten. Zur Hotelausstattung gehört ein Pflegebad auf jedem Stockwerk, das jedoch mehr den Charakter einer Wellness-Oase mit Grün und Musik aufweist. Man braucht nicht auf helfende Hände und technische Hilfen zu verzichten. Für viele dürfte jedoch auch das Personal wichtig sein. Denn beim „Haus am Kurpark“ handelt es sich um einen Integrationsbetrieb, der selbst Menschen mit Behinderungen ausbildet und beschäftigt.

Pauschbetrag für alle Pflegestufen
Deshalb ist man dort besonders sensibel im Umgang mit den Gästen der Verhinderungspflege, für die man den Pauschbetrag von 1 465 Euro (für alle Pflegestufen) in Anspruch nehmen könne. Angefangen vom Zimmermädchen bis zur Chefin würden alle gerne „zuhören“ bei Sorgen, Wünschen oder nur beim miteinander Reden. Hoteldirektorin Andrea Möglich bestätigt, dass „Pflegegäste“, die je nach Jahreszeit bis zu einem Sechstel ausmachen, es besonders genießen, sich hier auch bei Speis und Trank in einem ganz normalen Umfeld verwöhnen zu lassen.

Man sei nicht im Krankenhaus, Sanatorium oder Pflegeheimmilieu unter lauter Beeinträchtigten. Oft finden sich jedoch am Abend trotzdem solche Gäste zusammen, tauschen ihre Erfahrungen aus und schätzen das. Treffen kann man sich aber auch am Donnerstagabend, wenn Entspannungsübungen (sogar vom Rollstuhl aus) auf dem Programm stehen. Für den Sommer ist erstmals barrierefreie Kultur geplant: Transfer ins nahe Baden-Baden, wo Besuche des Museums Burda oder Vorstellungen im Schauspielhaus (am Nachmittag) vorgesehen sind. 

Hans-Jörg Eckardt